Learning from Detroit

kerstin Mai 11th, 2013

Gruppenausstellung mit Arbeiten von: Mira Burack und Kate Daughdrill, jessica Care moore, Susan Goethel Campbell, Tyree Guyton (The Heidelberg Project), Scott Hocking, Steve Hughes, I.T.U. mit Danielle Aubert und Maia Asshaq, Karin Jobst, Chido Johnson, Living Archive FILTER DETROIT (Fieke van Berkom, Cordula Ditz, Nina Könnemann), Gilda Snowden, Submerge: featuring Underground Resistance, Corine Vermeulen

Donnerstag, 23. Mai, 19:00 Uhr Eröffnung

„Spoken Word Poetry Performance“ der Detroiter Künstlerin jessica Care moore

ab 20.30 Uhr: Mike Huckaby, DJ, Produzent, Sounddesigner und Dozent aus Detroit wird in einer DJ-Lecture über die Entwicklung von Detroit Techno und den Einfluss der Stadt auf die Musik und die Künstler sprechen, Platten auflegen, die den Sound der Stadt weltweit bekannt gemacht haben.

Ausstellung 24.05.-25.08.2013

Was hat Wolfsburg mit Detroit gemeinsam? Beide sind als sogenannte „Motowns“ oder „Autostädte“ bedeutende Produktionsorte der Automobilindustrie. Entsprechend sind ihre Einwohner von der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Industriezweigs in vieler Hinsicht abhängig. Die momentane wirtschaftliche Situation beider Standorte zeigt zwei unterschiedliche Ausgänge der städtischen Entwicklung und verschiedene Ansätze im Umgang mit wirtschaftlichen Wendepunkten. Im Vergleich zu Wolfsburg, welches seine Krisenphasen durch eine Umstrukturierung des Volkswagen-Konzerns sowie eine urbanistische Neukonzeption weitgehend überwunden hat, bewältigt das US-amerikanische Detroit seinen wirtschaftlichen Abstieg auf ganz andere Weise: Die Einwohner nehmen die Krisenbewältigung größtenteils selbst in die Hand.

Was kann man von Detroit, das den Ruf einer Shrinking City par excellence hat, konkret lernen? Angelehnt an Robert Venturis Buch „Learning from Las Vegas“, einer Inkunabel der postmodernen Architektur und des Städtebaus, kann hier die These aufgestellt werden, dass gerade von Orten zu lernen ist, die konträr zu ihrem „schlechten“ Image auf originäre Weise scheinbar unlösbare urbane Probleme bewältigen. Sinkende Einwohnerzahlen und der Zusammenbruch von Infrastrukturen bieten eine Chance für neue Formen des Zusammenlebens und -arbeitens, letztlich der Gesellschaft: eine kleinere Stadt kann eine besser Stadt sein. Gerade wenn man das Engagement ihrer Bürger zulässt und unterstützt. So sind in Detroit „Urban Gardening“ und „Urban Farming“ weit verbreitet. Viele Bewohner nutzen die Freiflächen, leer stehenden Häuser und Fabrikgebäude um ihre Selbstversorgung abzusichern oder diese künstlerisch zu gestalten, mit Ihnen zu experimentieren. Die wachsende Zahl dieser oftmals nachbarschaftlichen Projekte, der „Community Art Projects“, gleicht dem Aufbau eines neuen wirtschaftlichen Produktionszweiges in dem die Einwohner der Stadt die Parameter ihrer Lebensqualität selbst bestimmen und mit künstlerischen Mitteln gestalten.

Die Gruppenausstellung „Learning from Detroit“ ermöglicht einen momentanen Einblick in die künstlerische und kulturelle Bewegung der Stadt. Dabei werden nicht nur alt eingesessene und neu hinzugezogene, sowie kurze Zeit in Detroit arbeitende Künstler und -gruppen vorgestellt, sondern auch Entwicklungsprozesse kultureller Zusammenarbeit mit Nicht-Künstlern. Ausgangspunkt und Material vieler Arbeiten ist die Stadt, ihre Vergangenheit als Industriestandort und die strukturellen Veränderungen die sie so dynamisch erscheinen lassen. Der Detroiter Scott Hocking wird nach seinem Kurzaufenthalt in Wolfsburg eine Arbeit entwickeln, die Bezug auf die beiden Städte nimmt. Im Kunstverein Wolfsburg im Schloss Wolfsburg und in der CITY GALLERY im Alvar-Aalto-Kulturhaus werden insgesamt 12 künstlerische Positionen vorgestellt. Die Bandbreite reicht von Malerei, Fotografie, Installation, Skulptur bis zu Aktionskunst. „Learning from Detroit“ entstand in Zusammenarbeit mit FILTER, einer Plattform internationaler zeitgenössischer Kunst mit Basis in Hamburg. Unter dem Namen FILTER DETROIT betreut die Initiatorin Kerstin Niemann in der Moran Street seit drei Jahren ein Wohnhaus, das als Research Residence und Ort des Austauschs für Künstler, Denker und Kulturmacher in und außerhalb Detroits dient. „Learning from Detroit“ ist zudem eine Kooperation des Kunstverein Wolfsburg mit dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) zum 75. Stadtjubiläum von Wolfsburg. Das vom IZS organisierte Rahmenprogramm umfasst mehrere DJ-Acts (Detroit-Techno, Motown-Soul, etc.), einen Urban Gardening-Tag im Kleingartenverein, eine Vorführung von Städte-Imagefilmen sowie eine Lesung zur strukturellen Entwicklung Detroits. Lokale Liaison – Kunstvermittlung im Kunstverein Wolfsburg realisiert gemeinsam mit dem IZS (Geschichtswerkstatt) eine Forschungsausstellung zum Vergleich von Wolfsburg und Detroit, die im Raum für Freunde des Kunstverein Wolfsburg präsentiert wird.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Niedersächsiches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

U.S. Consulate General Hamburg

WOB Wächst Mit Mir

Beeindruckend Jung 75 Wolfsburg

http://www.kunstverein-wolfsburg.de/

Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation

Anlässlich des 75. Stadtjubiläums der Stadt Wolfsburg laden der Kunstverein Wolfsburg, das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation und FILTER Detroit zur Ausstellungseröffnung „Learning from Detroit“ ein. Mit verschiedenen Themenbereiche und Veranstaltungsformaten beleuchtet das Gemeinschaftsprojekt Entwicklung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Autostädtae Detroit und Wolfsburg außerhalb der eigentlichen Autoproduktion.

Samstag, 25. Mai, 10 bis 16 Uhr

Workshop und Künstlergespräch mit Detroiter Künstler Chido Johnson

Mittwoch, 5. Juni 2013, 19:00 Uhr

Motown oder Wie ein Fließbandarbeiter der Automobilindustrie den Soul erfand

Ein Plattenauflegen mit Gespräch zwischen Thorsten Skowronski (Sauna-Klub) und Justin Hoffmann (Kunstverein Wolfsburg), Ort: City Gallery Der Fabrikarbeiter Berry Gordy hatte bereits sein Talent als Songschreiber und Musikproduzent erkannt, als er 1959 in Detroit sein eigenes Independent Label gründete. Er nannte es nicht Motor City, sondern Motown, weil ihn das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner Detroits mehr an eine Kleinstadt als an eine Großstadt erinnerte. Motown ist mit Diana Ross & The Supremes, Stevie Wonder oder Michael Jackson eine einzige Erfolgsgeschichte. Es war auch das erste Label mit Black Music, das in großem Maße von weißen Amerikanern gehört wurde.

Freitag, 7. Juni 2013, 22.00 Uhr

FIFTYFIFTY presents – House Music ON –

Ort: Rizz Club Wolfsburg, Heinrich-Nordhoff-Straße 71, 38440 Wolfsburg

Das Label FIFTYFIFTY präsentiert drei eigene DJ’s und einen Überraschungsgast.

Donnerstag, 13. Juni, 19:00 Uhr

Städte im laufenden Bild – Kommunale Werbe- und Imagefilme im Vergleich

Screening und Gespräch

Ort: Antoniensaal Schloss Wolfsburg

In den 1950er und 1960er erfuhren Stadtwerbefilme einen enormen Aufschwung. In der Zeit des Wirtschaftswunders ließen sich viele aufstrebende Städte die Herstellung eines Imagefilms etwas kosten. Die Veranstaltung wirft mit jeweils einem Film aus Wolfsburg und Detroit einen vergleichenden Blick auf das Phänomen der filmischen Repräsentation von Kommunen. Darüber hinaus sollen am Beispiel des im Jahr 2011 entstandenen „Wolfsburg – die Stadt“ aktuelle Fragen des Stadtmarketing mittels Filmen diskutiert werden. Gezeigt werden: Wolfsburg – Stadt im Aufbau (1958), Detroit: City on the Move (1965), Wolfsburg – die Stadt (2011) Als Diskutanten nehmen teil: Katrin Minner, Historikerin (Münster), Peter Stettner, Leiter des Kulturarchivs der Hochschule Hannover, Ali Altschaffel, Wolfsburger Filmemacher und Fotograf

Moderation: Anita Placenti-Grau, Leiterin des IZS, Günter Riederer, IZS

Donnerstag, 27. Juni 2013, 19:00 Uhr

„Rasende Ruinen“ – Was kann Wolfsburg von Detroit lernen?

Lesung und Gespräch mit Katja Kullmann und Martina Heßler

Ort: Schloss Wolfsburg

Im Rahmen des Begleitprogramms der Ausstellung „Learning from Detroit“ wird die Autorin Katja Kullmann nach Wolfsburg kommen und ihre 2012 im Suhrkamp Verlag erschienene Reisereportage „Rasende Ruinen. Wie Detroit sich neu erfindet“ vorstellen. Begleitet wird die Buchvorstellung von einem Beitrag von Martina Heßler, die seit 2010 Professorin für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte in Hamburg ist. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die vergleichende Analyse von „Autostädten“. Im Anschluss daran moderieren Justin Hoffmann (Kunstverein Wolfsburg) und Günter Riederer (Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation) ein Gespräch, das sich den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Stadtentwicklung in Detroit und Wolfsburg widmet.

Sonntag, 11. August 2013, 15.00 Uhr

Gartenfreu(n)de in Wolfsburg und Detroit

Vorträge und Gespräch zur Kleingartenbewegung und urban gardening

Ort: Kleingärtnerverein Fallersleben Ost e.V.

Ganz „gartennah“ im Vereinsheim, bei schönem Wetter im Außenbereich, des Kleingärtnervereins beginnt der Nachmittag mit zwei Impulsreferaten zur Entwicklung der deutschen Kleingartenbewegung und des urban gardening in Detroit. Anschließend werden die beiden Referenten und zwei örtliche Vertreter der jeweiligen Gartenbewegungen für eine Gesprächsrunde mit dem Publikum zur Verfügung stehen. Gäste: Johann B. Walz – Entwicklung der deutschen Kleingartenbewegung, Andreas Main – urban gardening/ farming in Detroit, Tim Fahse – Gartenprojekt „Die Plantage – Raum zum Wachsen“ in Hattorf, Friedrich Grünberg – Kleingärtnerverein Fallersleben Ost e.V.

Moderation: Anne Kersten

Freitag, 16. August bis Sonntag, 25. August

Ausstellung: Wolfsburg-Detroit Research

Eröffnung: Donnerstag, 15. August 18:00 Uhr

Ort: Raum für Freunde, Kunstverein Wolfsburg

Lokale Liaison – Kunstvermittlung im Kunstverein Wolfsburg & Geschichtswerkstatt des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation„Lokale Liaison“ schafft Beziehungen zwischen den Themen und künstlerischen Arbeiten der Ausstellungen im Kunstverein Wolfsburg und verschiedenen AkteurInnen vor Ort. Ausgehend von der Ausstellung „Learning from Detroit“ forschen Auszubildende verschiedener Wolfsburger Betriebe und SchülerInnen der Eichendorffschule, der Hoffmann-von-Fallersleben-Realschule sowie der Berufsbildenden Schulen I zur Entwicklung der Autoindustrie und ihrem Zusammenhang mit Stadtentwicklung. Künstlerische Beispiele der Umnutzung brachliegender Stadtlandschaften, betriebliche Partizipation und Entscheidungsstrukturen, die Rolle der Gewerkschaften, die Idee der Community, die Musikszene Wolfsburgs und Detroits werden in Gesprächen, künstlerischen Kartierungen und kleinen Events untersucht. Die Forschungsergebnisse werden in Form von Plakaten, Playlists, Installationen, Collagen, Performance-Lectures präsentiert.

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