Sozialkulturelle Bewegungen

kerstin November 6th, 2011

The Hinterlands (artist in residence FILTER Detroit), Chris Köver (Gastresident) und Nachbar Guido Marsille (artist in residence des Power House Production Projektes) chillen auf der Veranda nach einer durchtanzten Nacht.

Detroit ist dieses lebendige Potpourri verschiedener Kulturen und künstlerischer Vermittlung, das zu einem großen Teil die Gemeinschaft mit in die Tätigkeiten einbindet. Man fragt sich vielleicht was Gemeinschaft bedeutet? Gute Frage – diese Terminologie ist so häufig in verschiedenartigen Kontexten missbraucht worden, dass es seine Bedeutung fast verloren hat. In diesem Fall meint es die in Detroit lebende Bevölkerung, die Macher, die Transformer.


Ende May 2011 Kerstin Niemann und FILTER Detroit Gastresident Chris Köver (Missy Magazin) besuchten das Detroit Electronic Music Festival mit dem Namen Movement. Ein jährlich stattfindendes Festivals elektronischer Tanzmusik, das seit 2000 in Detroit von Detroitern organisiert wird. Dank Underground Resistance hatten wir die Möglichkeit das Festival zu besuchen und erlebten old school und neue Elektronische Tanzmusik Acts. Ein überwältigendes Erlebnis, da man Zeuge ist wie 100000 Menschen die Innenstadt von Detroit bevölkern.

Wir wurden mit elektronischer Musik sozialisiert und von daher schätzten wir die verschiedenen Djs und Initiativen als auch die stereotyp, fast altmodisch, gekleideten Technofans. Am meisten aber begrüßten wir die Parties und Events außerhalb des Festivalgeländes. Derrick May beispielsweise organisierte eine wunderbare Ausstellung in seinem Studio mit Künstlern wie Jessica Care Moore oder mash street culture Künstler Mike Han. Am besten gefiel uns die Show von Omar-S . Im 1515 Broadway lies er uns die ganze Nacht zappeln und tanzen. Tagsüber ist das 1515 Broadway übrigens ein schönes Cafe in dem es exzellente Croissants und guten Kaffee gibt.

Tanzen macht in jedem Fall hungrig und wir haben dafür gesorgt nur gute Nahrungsmittel zu uns zu nehmen. Dank an Aladdins Sweets & Cafe, was nur 8 Minuten Fußweg von der FILTER Detroit Residenz entfernt liegt. Dieses Indisch- bengalische Restaurant serviert nahrhafte Gerichte und in jedem Fall unglaubliche Süßspeisen.

Die Bengalischen Nachbarn von FILTER Detroit tendieren dazu ihr eigenes Gemüse anzubauen und Essen selber zu kochen. Während der Mittagszeit schwebt immer eine wunderbar duftende Melange verschiedener Gerichte vor der Haustür. Da der Hintergarten des FILTER Detroit Hauses ausreichend Platz bietet war es jetzt an der Zeit eigenes Essen anzubauen. Das macht Sinn, da Detroit sich sowieso zum Mekka des urbanen Gärtnerns entwickelt hat und Wege und Möglichkeiten existieren ohne viel Hintergrundinformation mit dem Gemüseanbau zu beginnen ohne zuviel monetäre Mittel zu investieren.

Zusammen mit Liza Bielby (The Hinterlands), der Künstlerresidentin von FILTER Detroit wurden wir Mitglied beim Garden Resource Program in Detroit. Mit urbaner Gartenarbeit und Agrarprojekten versuchen diese die Gemeinschaft zu involvieren. Zurzeit zählen sie ca. 15.000 urbane Gärtner in Detroit, Hamtramck and Highland Park.

Als Teilnehmer dieses Programms erhielten wir praktische Anweisungen, Saatgut (Sonnenblumenkerne, Kamille) und kleine vorgezüchtete Pflanzen (Paprikaschoten, Tomaten, Auberginen etc.) und wurden ermutigt ehrenamtlich in Gärten in der unmittelbaren Umgebung mitzuhelfen und uns mit diesem Netzwerk vertraut zu machen.

Zunächst bauten Chris Köver und ich ein kleines Hochbeet mit vier Holzplanken und frischer Gartenerde. Danach härteten Liza und ich die Setzlinge für 48 Stunden ab und pflanzten sie zusammen mit dem Saatgut Ende May. In der Hoffnung natürlich das es etwas zu ernten gibt im Spätsommer, Herbst.

Dutch Dinner Party – Fotografin und Künstlerin und Langzeit Detroiterin Corine Vermeulen (aufgewachsen in den Niederlanden) und der Niederländische Künstler in residence Guido Marsille des Power House Production Projektes kochten für geladene Gäste und die Nachbarschaft. Starter: Käseigel – dann wurde uns Nachbarn ein köstlicher Eintopf “Stamppot met worst” (Kartoffelbrei mit Grünkohl und Fleischbällen) serviert und anschließend Dessert. Welkom. Ich denke sozialkulturelle Arbeit beginnt genau dort – auf der anderen Straßenseite, mit den Nachbarn oder im eigenen Garten…

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